Die Tuchfabrik G. H. & J. Croon

Am 1. September 1862 eröffneten die Gebrüder Gustav Heinrich und Julius Croon in Aachen eine Tuchfabrik. Dafür kauften sie das Haus Karlsgraben 52 und erweiterten es mit einem Neubau.

Die Anfangsjahre waren nicht leicht, da es bereits eine große Anzahl alteingesessener Firmen gab, die fast alle dieselben Artikel herstellten.1865 fabrizierte die Firma hauptsächlich Buxskins, bis 1870 wurde die Herstellung von Ratinés und Eskimos aufgenommen. Um sich gegenüber der mächtigen Konkurrenz behaupten zu können, wurde von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr gearbeitet. 1866 wurde der erste Webmeister in der Firma eingestellt. Obwohl die Verhältnisse in „Deutschland“  (das Deutsche Reich existierte noch nicht) vor 1870 bezüglich Handel, Verkehr usw. rückständig waren, konnte sich die Firma Croon weiter durchsetzten und den Kundenkreis ausweiten.

Da die Räumlichkeiten im Karlsgraben nicht mehr ausreichten, wurde das Anwesen Annastraße 56 mit Gebäuden der Tuchfabrik Waldhausen im September 1869 gekauft. Anfang 1870 erfolgte der Umzug. Beim Einzug in die Annastraße übernahm die Firma auch einen großen Teil der dort vorhandenen Maschinen.

Mit dem für Deutschland siegreichen Krieg 1870/71 setzte zunächst eine große wirtschaftliche Blüte ein. 1875 kam es vorübergehend zu einer geschäftlichen Krise. 1878 begann der Wiederaufstieg. Gleichzeitig stellte die Firma die Fabrikation auf Kammgarn-Herrenstoffe um.

Die Moderichtung hatte sich verändert und das Publikum bevorzugte nun immer mehr die eleganten Kammgarnartikel gegenüber den alten, klobigen Buxskin-Qualitäten. Diese Umstellung hatte Auswirkungen auf die Firma. Da die Buxskins kaum noch Absatz fanden, beschlossen G. H. und J. Croon sich nur noch auf die Kammgarnfabrikation zu konzentrieren und diese zu spezialisieren. Die geschäftliche Lage besserte sich 1879 weiter, auch bedingt durch den neuen deutschen Zolltarif vom Juli 1879.

1880 wurde Albert Erasmus als Direktor eingestellt, der schon Erfahrung mit der Kammgarnfabrikation gesammelt hatte. Die Modernisierung der Firma ging ab 1880 schnell weiter, wurde jedoch von Wasser- und Platzmangel behindert. Aufgrund des Platzmangels, bedingt durch die Einengung zwischen der Rheinischen Tuchfabrik und dem Posthof, wurde die Lohnweberei Pellmann mit 40 Lohnwebstühlen dauernd in Anspruch genommen. Als die Post umzog, beabsichtigte die Firma, den alten Posthof zu kaufen und dort einen Neubau zu errichten.

Dies war allerdings nicht nötig, da 1885 ein Brand in der „Rheinischen Tuchfabrik“ ausbrach und das Feuer nicht gelöscht werden konnte. Die Firma Croon hatte einerseits Glück gehabt, dass das Feuer nicht auf ihre Fabrik übergegriffen hatte, andererseits konnte sie sich nun endlich ausdehnen. Die Firma kaufte sofort einen Großteil des Terrains der früheren „Rheinischen Tuchfabrik“, dazu einen Teil der Paubachgerechtsame (Wasserrechte am Paubach). Sofort wurde mit dem Aufbau einer großen Webhalle begonnen, Weihnachten 1886 liefen schon die ersten Webstühle. Bis 1900 entwickelte sich die Firma durch den weiteren Ausbau und die Bemühungen der beiden Gründer allmählich zu einem Großbetrieb. Im Februar 1897 starb der Mitbegründer der Firma, Julius Croon. Die beiden Söhne von Gustav Heinrich Croon, Otto und Adolf Croon traten nun 1897 als Teilhaber in die Firma ein. 1898 überschritt die Jahresproduktion erstmals 200.000 m fertige Ware, fast nur schwarze Ware. Das Jahr 1900 brachte erhebliche Verluste mit sich, die von einer von den Engländern ausgehenden Wollspekulation verursacht wurden. 1911 wurde die Firma durch einen weiteren Neubau und durch Errichtung einer eigenen elektrischen Kraftzentrale zu einem neuzeitlichen Großbetrieb.

Am 7. September 1911 starb der Gründer Gustav Heinrich Croon. Kurz vor seinem Tod nahm er noch seinen Sohn Waldemar als Teilhaber in die Firma auf. Im April 1911 kaufte die Firma die alten Häuser Annastr. 50-52. 1912 erreichte die Fabrik einen Produktionsrekord von 480.000 m Tuch und fast 9000 Stück Ware. Jeder freie Platz in der verschachtelten Fabrikanlage wurde für Webstühle ausgenutzt. Croon-Tuche hatten im In- und Ausland einen guten Ruf.

Der Kriegsbeginn setzte der aufsteigenden Entwicklung ein Ende. Die Firma stellte sich im August 1914 sofort auf die Herstellung von Militärtuchen um. Dafür trat 1916 eine große Warennot in der Versorgung mit Zivilware ein. Bedingt durch den Versailler Friedensvertrag, welcher der deutschen Wirtschaft stark zusetzte, kam die Fabrikation von Zivilware nach dem Krieg nur langsam wieder in Gang.

Die Inflation brachte ab 1920 weitere Verluste mit sich. Weitere Probleme wurden durch die von den Besatzern, den Belgiern und Franzosen, errichteten Zollgrenzen verursacht. Am 25. Mai 1923 trat Hans Croon, ein Sohn Otto Croons, in die Firma ein. Ab 1924 widmete sich die Firma Croon dem Wiederaufbau, da der Zustand des Betriebes aufgrund der langen Kriegszeit und der Inflation relativ schlecht war. 1931/32 standen ganz im Zeichen eines weiteren wirtschaftlichen Abstiegs. Mit der Machtergreifung Hitlers ging es für die Firma zunächst bergauf. Aufgrund des damaligen Aufbauwerks wurden neue Arbeitskräfte eingestellt. Im Oktober 1933 trat Waldemar Croons Sohn Waldemar junior in die Firma ein. Bis 1937 ging es weiter bergauf.

In den 30er-Jahren wurden auch weiterhin hochwertige Kammgarnprodukte für Gesellschaftskleidung hergestellt (z.B. Drapes und Foules); daneben gehörte aber auch garngefärbte Ware zum Programm. Vor allem zum Ende der 30er-Jahre häuften sich Aufträge für Wehrmachts-Uniformtuche. Diese Aufträge wurden zugeteilt und waren in der Tuchindustrie begehrt, da es große Aufträge waren.

Während des Krieges wurde weiter produziert, wobei es merkliche Einschränkungen gab. Viele Arbeiter wurden durch Arbeiterinnen ersetzt, die zunächst angelernt werden mussten, und es standen nicht immer genügend Garne zur Verfügung.

1943 zog ein großer Bombenangriff auf Aachen auch die Tuchfabrik Croon in Mitleidenschaft. Die Schäden konnten jedoch so weit repariert werden, dass eine Fortsetzung der Produktion möglich war; einige Gebäudeteile, wie Haus 7, blieben sogar unzerstört. Leider war das alte Stammhaus in der Annastraße unter den zerstörten Gebäudeteilen, sodass die Büros in den Wohnhäusern Annastraße 58/60 eingerichtet wurden.

Nach dem Krieg musste ein „permit“ beantragt werden, um die Produktion wieder aufnehmen zu können. Erst relativ spät, nach zwei Jahren, erhielt man grünes Licht. In der frühen Nachkriegszeit wurde das Aachener Stromnetz zeitweise durch einen von einer Dampfmaschine Croons angetriebenen Generator mit Strom versorgt.

In den 50er-Jahren war der Betrieb wieder voll ausgelastet. Man begann mit der Herstellung von Stoffen für die Damenoberbekleidung; auch der Anteil garngefärbter Tuche nahm zu. Man entschied daher, die Produktion auf einen 3-Schicht-Betrieb umzustellen. Das führte zunehmend zu Lärmbelästigungen für die innerstädtische Nachbarschaft. Da der in mehreren, zum Teil sehr alten Gebäudeteilen untergebrachte Betrieb ohnehin modernisiert werden sollte, entschied man sich 1958 zu einem Neubau „auf der grünen Wiese“ in Aachen-Brand. Hier entstand ein ebenerdiger Betrieb, in welchem die Webereivorbereitung, die Weberei – zum Teil bereits mit modernen Sulzer-Webmaschinen ausgestattet – und die Stopferei untergebracht wurden. Das Schweizer Architekturbüro Gherzi baute einen für die damalige Zeit hochmodernen Industriebau, fensterlos und klimatisiert. 1959 begann man mit dem Umzug nach Brand. In der Innenstadt verblieb die Ausrüstung, gefärbt wurde weiterhin hauptsächlich bei Rouette in der Soers. Freiwerdende Gebäudeteile im alten Gebäudekomplex konnten vermietet werden, z.B. an die Wollstrickfirma „3 Pagen“.

1968 erfolgte eine Fusion mit den Firmen „Dechamps & Drouven Nachf.“ und „Nickel & Müller GmbH.“. Im gleichen Jahr wurde die Ausrüstung in der Annastraße stillgelegt – die Kapazitäten in der Ausrüstungsabteilung des fusionierten Unternehmen waren hinreichend. Herr Waldemar Croon jun. trat 1970 mit dem Verkauf seiner Geschäftsanteile an der fusionierten Firma aus dem Unternehmen aus. Die Firma „Dechamps Textil AG“, die aus der Fusion hervorgegangen ist, musste am 30. Juni 2002 den Betrieb einstellen.

Quellen:

  • „Die Firmen-Geschichte der Tuchfabrik G. H. & J. Croon, Aachen“, ein Festvortrag, gehalten am 1.9.1937 anlässlich des 75jährigen Jubiläums, Archiv Tuchwerk Aachen e.V.
  • Interwiev mit Herrn Waldemar Croon jun. (Aachen) im März 2001

 Jochen Buhren

Englische Konkurrenz und „Weberelend"

England als das Mutterland der Industrialisierung mit der Textilindustrie als maßgeblichen Sektor stellte mit seinem technologischen Vorsprung für die Konkurrenz ein gewaltiges Problem dar. Opfer dieser Konkurrenz wurden insbesondere die eng mit dem ländlichen Raum verknüpften Flachs verarbeitenden Regionen wie Schlesien oder die Lenne (Bielefelder Raum), deren Elend Gerhard Hauptmanns Stück treffend dokumentiert. Die Mechanisierung der Wollverarbeitung folgte stets mit einer deutlichen Verzögerung der Mechanisierung bei der Verarbeitung von Baumwolle, denn die preiswerte langfaserige Baumwolle stellt deutlich geringere Anforderungen an ihre Verarbeitung als Wolle.

Aachen mit seinen Tuchen, die stets ein Produkt des gehobenen Bedarfs waren, blieb von diesen Verwerfungen nicht nur verschont, sondern wurde durch die Vermittlung der Cockerills und vieler innovativer Tuchfabrikanten mit den durch Napoleon angestoßenen Neuerungen die führende deutsche Industriestadt. Nirgendwo sonst wurden so früh derartig viele Dampfmaschinen eingesetzt. Für die Verarbeitung von Wolle insbesondere das Spinnen ist ein feuchtes Klima günstig, denn es macht die Fasern elastischer. Deshalb war die feuchte Soers mit dem Wildbach auch Standort der Spinnereien Wüller und Gilliam.

Nicht nur Tuche – technische Textilien

Textilindustrie einmal anders

aus: FAZ, 28.12.2015

Mit technischen Textilien den Umbruch meistern

Gepäcknetz und Bungee-Seil: Wie sich Wuppertaler Textilhersteller aus der Abhängigkeit von der Bekleidungsindustrie befreit haben.

csc. WUPPERTAL, 27. Dezember. Nur aus Männern bestand das Publikum heim Spiel der Wuppertaler Fußballvereine Barmen gegen Elberfeld im Jahr 1928 – und alle trugen einen Hut. Mit der vergilbten Schwarzweißaufnahme will Peter vom Baur auf das Produkt hinweisen, mit dem das 1805 gegründete Wuppertaler Familien unternehmen J. H. vom Baur Sohn GmbH & Co. KG groß geworden ist: „Wir haben lange vom Herrenhutband gelebt“, sagt der Diplom-Kaufmann, 54 Jahre alt und Vertreter der siebten Generation. Als der Hut in den fünfziger fahren seine Funktion als Wetterschutz einbüßte, richtete sein Vater die Weberei neu aus. Inzwischen trägt das Hutband nur noch 1,5 Prozent zum Umsatz von rund 10 Millionen Euro bei. Lediglich aus Nordamerika (für Filz- und Cowboyhüte) und Ecuador (für Strohhüte) kommen noch Bestellungen.k-Wuptextil

Auf den 120 laut ratternden Webstühlen im Wuppertaler Stadtteil Ronsdorf entstehen heute technische Textilien, also textile Erzeugnisse abseits der Bekleidungsbranche. Etwa die dünnen Schläuche für die Filtration von Flüssigkeiten in der Lebensmittelindustrie. Oder die aus Glasfasern gefertigten Filter für Atemschutzmasken. Aus Kohlenstofffasern werden Gewebe hergestellt, die anschließend in Harz getränkt und dann als leichter, stabiler Verbundwerkstoff beim Bau von Ruderbooten, Segelflugzeugen oder Prothesen verarbeitet werden. Neben der modernen Nadelstuhltechnik setzt der 180-Mitarbeiter-Betrieb auch noch die sogenannten Schiffchen-Webstühle ein, bei deren Anblick sich Besucher um etliche Jahrzehnte zurückversetzt fühlen.

Flink sausen die flachen Holzschiffchen mit der Fadenspule von einer Seite zur anderen durch das Webfach. Die Maschinen stammen zwar aus der Nachkriegszeit, bieten aber nach Ansicht von Peter vom Baur bis heute die beste Technik zur Herstellung von nahtlos rundgewebten Schläuchen. Eine eigene Schreinerei mit einem gelernten Handwebstuhlschreiner besorgt die Instandsetzung der betagten Webstühle. Der Firmenchef zeigt die traditionelle Handwerkstechnik mit Selbstbewusstsein: „Die Verschleißteile fertigen wir selbst an, die gusseisernen halten eine Ewigkeit“. Viele der Gewebe sind Maßanfertigungen für einzelne Abnehmer aus dem Maschinenbau, der Chemie, der Zuckerindustrie oder der Medizintechnik. „Wir haben eine niedrige Hemmschwelle, lassen uns auf vieles ein.“ Bei manchen Projekten wird auch mit Forschungsinstituten kooperiert. Mitunter aber kommen so viele Entwicklungswünsche der Kunden herein, dass vom Baur auch mal bremsen muss. Das Beispiel Wuppertal zeigt, welchen enormen Strukturwandel die Textilbranche hinter sich hat. Die 350 000-Einwohner-Stadt im Bergischen Land war einst neben Krefeld und Mönchengladbach eine der Hochburgen der rheinischen Textilindustrie und besonders bekannt für die Schmalbandweber.

Noch in den 1970er Jahren wurden in Wuppertal 50 000 Menschen in dem Gewerbe beschäftigt. Dann mussten viele Textilhersteller aufgeben, die Produktion wanderte in Billiglohnländer ab. Heute arbeiten in den verbliebenen Unternehmen noch 3000 Beschäftigte. Dieser Niedergang verstellt nach Ansicht von Andreas Kielholz, Geschäftsführer und Mitinhaber Jumbo-Textil, den Blick dafür, dass die Textilindustrie inzwischen wieder eine wirtschaftlich stabile Situation erreicht hat. „Wir verzeichnen heute keinen Schwund an Betrieben mehr, sondern haben wachsende Unternehmen.“ Tatsächlich konnten die knapp 200 nordrhein-westfälischen Textilhersteller ihren Umsatz zwischen 2010 und 2014 von 3,3 Milliarden Euro auf knapp 3,5 Milliarden Euro ausbauen, wie die Brancheninitiative Zitex Textil & Mode NRW berichtet. Dabei stehen die für technische Anwendungen produzierten Textilien mittlerweile für fast die Hälfte des Umsatzes.

Als Zulieferer für die Automobilindustrie verzeichnet die ebenfalls in Wuppertal ansässige Jumbo-Textil – 1909 gegründet und einst Hersteller von Wäsche- und Trägerbändern für Bekleidung – in diesem Jahr ein Umsatzplus von etwa neun Prozent auf gut 10 Millionen Euro. Für Fahrzeuge von Herstellern wie BMW, Ford, Mercedes-Benz und den VW-Konzern liefert Jumbo Ablage- und Gepäcknetze, Handyhalter, elastische Bänder zur Straffung von Sitzbezügen, Hebe- und Entriegelungsschlaufen, Hutablagekordeln. Genauestens werden dabei die technischen Anforderungen definiert, wie Kielholz berichtet. Wie stark soll sich das Band dehnen, um wie viele Millimeter darf es über die Jahre ausleiern? „Wir schauen aus dem jeweiligen Projekt heraus, welches Material am besten geeignet ist.“ Auf den rund 400 Maschinen stellt Jumbo-Textil sowohl Geflechte als auch Gewebe und Gewirke her. Zwar ist die Automobilindustrie mit Abstand der größte Abnehmer, doch werden auch Seile für Bungee-Trampoline, Kordeln für Spielzeuge, Expander für Rehageräte, Gummis für Bandagen, Stiftschlaufen für Notizbücher und Notöffnungsseile für Schiebetüren produziert.
Im kommenden Herbst steht für Jumbo-Textil der Umzug ins benachbarte Sprockhövel an. Gut acht Millionen Euro hat der dort errichtete Neubau gekostet, mit dessen Hilfe Kielholz die Abläufe weiter optimieren will. Aus dem einfachen Massengeschäft hält sich der gelernte Bankkaufmann, der Jumbo-Textil im Jahr 2004 zusammen mit zwei nicht operativ tätigen Mitgesellschaftern von der Gründerfamilie erworben hat, nach eigenem bekunden heraus. Seine Devise für die kommenden Jahre: „Wir wollen mit den Ansprüchen der Kunden wachsen.“

Aachener Textilfirmen

Karte der Aachener Industriebetriebe im Jahre 1911

Der Rundgang im Depot beginnt mit der Karte der Aachener Betriebe im Jahre 1911. Nach einer ersten Orientierung, die den typischen Verlauf der Mauerringe und der Eisenbahn folgt, fällt auf, dass es neben dem Westbahnhof auf dem heutigen RWTH Gelände noch einen Bahnhof (Templerbend) gab, von dem eine Strecke der Rütscher Straße nach Holland folgte. Die Verlegung von Strecke und Bahnhof war in vollem Gange. Insgesamt ist Aachen im Jahre 1911 in den Randbezirken noch deutlich ausgedünnt bebaut. Die Bevölkerung Aachens betrug im Jahre 1910 nach dem Ergebnis der Volkszählung 156.143 Menschen. Die Wahl fiel auf diese Karte, weil die Bedeutung Aachens als Industriestadt gegenüber der gegenwärtigen Zeit noch deutlich zu erkennen ist.

k-Karte

 

 

 

Für zwei Jahrgänge lassen sich Karten aufrufen, die die Verteilung der Textilfirmen im Aachener Raum aufzeigen. Auf den Karten wird  farblich zwischen den unterschiedlichen Branchen der Textilindustrie unterschieden.

Jede dieser Karten ist beliebig durch +/-  oder durch Drehen des Mausrades vergrößerbar/verkleinerbar

Auf jede dieser Karten sind durch Anklicken der farblich unterschiedlich gekennzeichneten Punkte Einzelheiten zu Unternehmer, Gründungsjahr, Adresse, etc aufzurufen.

Wir werden bemüht sein, zu den einzelnen Firmen auch Fotos einzustellen.

Wer uns dabei historische Aufnahmen zur Verfügung stellen kann, möge dies gerne tun!

Aachener Textilfirmen 1911

Aachener Textilfirmen 1935

Einzelne ausführliche Artikel zu Aachener Textilfirmen finden Sie unter dem Menuregister  Abhandlungen.

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Vonachten 1900

Vonachten 1900

Tuchfabrik von Halfern

 

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Die Tuchfabrik G. H. & J. Croon

 

Jochen Buhren

Am 1. September 1862 eröffneten die Gebrüder Gustav Heinrich und Julius Croon in Aachen eine Tuchfabrik. Dafür kauften sie das Haus Karlsgraben 52 und erweiterten es mit einem Neubau.

Die Anfangsjahre waren nicht leicht, da es bereits eine große Anzahl alteingesessener Firmen gab, die fast alle dieselben Artikel herstellten. 1865 fabrizierte die Firma hauptsächlich Buxskins, bis 1870 wurde die Herstellung von Ratinés und Eskimos aufgenommen. Um sich gegenüber der mächtigen Konkurrenz behaupten zu können, wurde von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr gearbeitet. 1866 wurde der erste Webmeister in der Firma eingestellt. Obwohl die Verhältnisse in „Deutschland“  (das Deutsche Reich existierte noch nicht) vor 1870 bezüglich Handel, Verkehr usw. rückständig waren, konnte sich die Firma Croon weiter durchsetzten und den Kundenkreis ausweiten.

Da die Räumlichkeiten im Karlsgraben nicht mehr ausreichten, wurde das Anwesen Annastraße 56 mit Gebäuden der Tuchfabrik Waldhausen im September 1869 gekauft. Anfang 1870 erfolgte der Umzug. Beim Einzug in die Annastraße übernahm die Firma auch einen großen Teil der dort vorhandenen Maschinen.

Mit dem für Deutschland siegreichen Krieg 1870/71 setzte zunächst eine große wirtschaftliche Blüte ein. 1875 kam es vorübergehend zu einer geschäftlichen Krise. 1878 begann der Wiederaufstieg. Gleichzeitig stellte die Firma die Fabrikation auf Kammgarn-Herrenstoffe um.

Die Moderichtung hatte sich verändert und das Publikum bevorzugte nun immer mehr die eleganten Kammgarnartikel gegenüber den alten, klobigen Buxskin-Qualitäten. Diese Umstellung hatte Auswirkungen auf die Firma. Da die Buxskins kaum noch Absatz fanden, beschlossen G. H. und J. Croon sich nur noch auf die Kammgarnfabrikation zu konzentrieren und diese zu spezialisieren. Die geschäftliche Lage besserte sich 1879 weiter, auch bedingt durch den neuen deutschen Zolltarif vom Juli 1879.

1880 wurde Albert Erasmus als Direktor eingestellt, der schon Erfahrung mit der Kammgarnfabrikation gesammelt hatte. Die Modernisierung der Firma ging ab 1880 schnell weiter, wurde jedoch von Wasser- und Platzmangel behindert. Aufgrund des Platzmangels, bedingt durch die Einengung zwischen der Rheinischen Tuchfabrik und dem Posthof, wurde die Lohnweberei Pellmann mit 40 Lohnwebstühlen dauernd in Anspruch genommen. Als die Post umzog, beabsichtigte die Firma, den alten Posthof zu kaufen und dort einen Neubau zu errichten.

Dies war allerdings nicht nötig, da 1885 ein Brand in der „Rheinischen Tuchfabrik“ ausbrach und das Feuer nicht gelöscht werden konnte. Die Firma Croon hatte einerseits Glück gehabt, dass das Feuer nicht auf ihre Fabrik übergegriffen hatte, andererseits konnte sie sich nun endlich ausdehnen. Die Firma kaufte sofort einen Großteil des Terrains der früheren „Rheinischen Tuchfabrik“, dazu einen Teil der Paubachgerechtsame (Wasserrechte am Paubach). Sofort wurde mit dem Aufbau einer großen Webhalle begonnen, Weihnachten 1886 liefen schon die ersten Webstühle. Bis 1900 entwickelte sich die Firma durch den weiteren Ausbau und die Bemühungen der beiden Gründer allmählich zu einem Großbetrieb. Im Februar 1897 starb der Mitbegründer der Firma, Julius Croon. Die beiden Söhne von Gustav Heinrich Croon, Otto und Adolf Croon traten nun 1897 als Teilhaber in die Firma ein. 1898 überschritt die Jahresproduktion erstmals 200.000 m fertige Ware, fast nur schwarze Ware. Das Jahr 1900 brachte erhebliche Verluste mit sich, die von einer von den Engländern ausgehenden Wollspekulation verursacht wurden. 1911 wurde die Firma durch einen weiteren Neubau und durch Errichtung einer eigenen elektrischen Kraftzentrale zu einem neuzeitlichen Großbetrieb.

Am 7. September 1911 starb der Gründer Gustav Heinrich Croon. Kurz vor seinem Tod nahm er noch seinen Sohn Waldemar als Teilhaber in die Firma auf. Im April 1911 kaufte die Firma die alten Häuser Annastr. 50-52. 1912 erreichte die Fabrik einen Produktionsrekord von 480.000 m Tuch und fast 9000 Stück Ware. Jeder freie Platz in der verschachtelten Fabrikanlage wurde für Webstühle ausgenutzt. Croon-Tuche hatten im In- und Ausland einen guten Ruf.

Der Kriegsbeginn setzte der aufsteigenden Entwicklung ein Ende. Die Firma stellte sich im August 1914 sofort auf die Herstellung von Militärtuchen um. Dafür trat 1916 eine große Warennot in der Versorgung mit Zivilware ein. Bedingt durch den Versailler Friedensvertrag, welcher der deutschen Wirtschaft stark zusetzte, kam die Fabrikation von Zivilware nach dem Krieg nur langsam wieder in Gang.

Die Inflation brachte ab 1920 weitere Verluste mit sich. Weitere Probleme wurden durch die von den Besatzern, den Belgiern und Franzosen, errichteten Zollgrenzen verursacht. Am 25. Mai 1923 trat Hans Croon, ein Sohn Otto Croons, in die Firma ein. Ab 1924 widmete sich die Firma Croon dem Wiederaufbau, da der Zustand des Betriebes aufgrund der langen Kriegszeit und der Inflation relativ schlecht war. 1931/32 standen ganz im Zeichen eines weiteren wirtschaftlichen Abstiegs. Mit der Machtergreifung Hitlers ging es für die Firma zunächst bergauf. Aufgrund des damaligen Aufbauwerks wurden neue Arbeitskräfte eingestellt. Im Oktober 1933 trat Waldemar Croons Sohn Waldemar junior in die Firma ein. Bis 1937 ging es weiter bergauf.

In den 30er-Jahren wurden auch weiterhin hochwertige Kammgarnprodukte für Gesellschaftskleidung hergestellt (z.B. Drapes und Foules); daneben gehörte aber auch garngefärbte Ware zum Programm. Vor allem zum Ende der 30er-Jahre häuften sich Aufträge für Wehrmachts-Uniformtuche. Diese Aufträge wurden zugeteilt und waren in der Tuchindustrie begehrt, da es große Aufträge waren.

Während des Krieges wurde weiter produziert, wobei es merkliche Einschränkungen gab. Viele Arbeiter wurden durch Arbeiterinnen ersetzt, die zunächst angelernt werden mussten, und es standen nicht immer genügend Garne zur Verfügung.

1943 zog ein großer Bombenangriff auf Aachen auch die Tuchfabrik Croon in Mitleidenschaft. Die Schäden konnten jedoch so weit repariert werden, dass eine Fortsetzung der Produktion möglich war; einige Gebäudeteile, wie Haus 7, blieben sogar unzerstört. Leider war das alte Stammhaus in der Annastraße unter den zerstörten Gebäudeteilen, sodass die Büros in den Wohnhäusern Annastraße 58/60 eingerichtet wurden.

Nach dem Krieg musste ein „permit“ beantragt werden, um die Produktion wieder aufnehmen zu können. Erst relativ spät, nach zwei Jahren, erhielt man grünes Licht. In der frühen Nachkriegszeit wurde das Aachener Stromnetz zeitweise durch einen von einer Dampfmaschine Croons angetriebenen Generator mit Strom versorgt.

In den 50er-Jahren war der Betrieb wieder voll ausgelastet. Man begann mit der Herstellung von Stoffen für die Damenoberbekleidung; auch der Anteil garngefärbter Tuche nahm zu. Man entschied daher, die Produktion auf einen 3-Schicht-Betrieb umzustellen. Das führte zunehmend zu Lärmbelästigungen für die innerstädtische Nachbarschaft. Da der in mehreren, zum Teil sehr alten Gebäudeteilen untergebrachte Betrieb ohnehin modernisiert werden sollte, entschied man sich 1958 zu ei
nem Neubau „auf der grünen Wiese“ in Aachen-Brand. Hier entstand ein ebenerdiger Betrieb, in welchem die Webereivorbereitung, die Weberei – zum Teil bereits mit modernen Sulzer-Webmaschinen ausgestattet – und die Stopferei untergebracht wurden. Das Schweizer Architekturbüro Gherzi baute einen für die damalige Zeit hochmodernen Industriebau, fensterlos und klimatisiert. 1959 begann man mit dem Umzug nach Brand. In der Innenstadt verblieb die Ausrüstung, gefärbt wurde weiterhin hauptsächlich bei Rouette in der Soers. Freiwerdende Gebäudeteile im alten Gebäudekomplex konnten vermietet werden, z.B. an die Wollstrickfirma „3 Pagen“.

1968 erfolgte eine Fusion mit den Firmen „Dechamps & Drouven Nachf.“ und „Nickel & Müller GmbH.“. Im gleichen Jahr wurde die Ausrüstung in der Annastraße stillgelegt – die Kapazitäten in der Ausrüstungsabteilung des fusionierten Unternehmen waren hinreichend. Herr Waldemar Croon jun. trat 1970 mit dem Verkauf seiner Geschäftsanteile an der fusionierten Firma aus dem Unternehmen aus. Die Firma „Dechamps Textil AG“, die aus der Fusion hervorgegangen ist, musste am 30. Juni 2002 den Betrieb einstellen.

Quellen:

-„Die Firmen-Geschichte der Tuchfabrik G. H. & J. Croon, Aachen“, ein Festvortrag, gehalten am 1.9.1937 anlässlich des 75jährigen Jubiläums, Archiv Tuchwerk Aachen e.V.

– Interview mit Herrn Waldemar Croon jun. (Aachen) im März 2001

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